Demokratie lieben? Nachdenken über Gefühle in der Politik

Diskussionsveranstaltung im Rahmen von 1832.Das Fest der Demokratie am Sonntag, 26.5.2024, 16:45 Uhr, Park-Bühne des Hambacher Schlosses

Im Rahmen des „Demokratiefestes“ von Stadt Neustadt und Stiftung Hambacher Schloss lädt der „Freundeskreis Hambacher Fest 1832“ zu einem Diskussions-Treffpunkt ein: „Demokratie lieben? Nachdenken über Gefühle in der Politik“.

Die AfD und andere Rechtsaußen-Kräfte werfen den Regierungsparteien gerne vor, sie hassten dieses Land. Sie nutzen Emotionen für ihre völkischen und antidemokratischen Ziele, bedienen sich gefühlter Wahrheiten und Verschwörungserzählungen. Rechte Kräfte schaffen Gefühlswelten, die immer mehr gesellschaftlichen Gruppen attraktiv erscheinen, da diese Kräfte auf unterschiedlichen Ebenen bei Alltagsgefühlen ansetzen und bestehende Ängste für sich zu nutzen verstehen. Es gelingt ihnen rechtes Gedankengut so zu verbreiten, dass es für viele Menschen zum gefühlt Richtigen wird.

Die Demokratie dagegen zu verteidigen, für sie zu streiten ist ein hartes Geschäft, sind die Verhältnisse doch oft kompliziert und schwer durchschaubar. Und die Demokratie braucht Menschen, die diese Komplexität und die Schwierigkeiten anerkennen und nicht glätten wollen. Dann aber allein mit Fakten und Sachargumenten zu arbeiten, spricht Menschen nur begrenzt an, da erst Betroffenheit und das Gefühl, auch tatsächlich gemeint zu sein, den Zugang zu Argumenten eröffnet. Sollten auch Demokraten deshalb stärker auf Gefühle setzen oder führt dies in die Sackgasse des Populismus? Oder fehlt uns einfach die Kraft und die Kreativität, Gefühle in die richtigen Worte zu gießen?

Aufgabe eines jeden demokratischen Redners oder einer Rednerin ist es aufzuklären und begründbare Wege für das politische Handeln zu weisen, aber um andere zu erreichen, sollte man um deren Stimmungen wissen und sollte es verstehen, mit Emotionen Menschen zu motivieren. Emotionen dienen der Meinungsbildung, sie sorgen für Aufmerksamkeit und lassen Dinge länger im Gedächtnis verweilen. Immer jedoch müssen die eigenen Gefühle und die bei anderen geweckten an sachliche Gründe gebunden sein.

Wer die Demokratie liebt, sollte sie auch leben.

Darüber diskutieren mit dem Publikum Prof. Eva Walther (Universität Trier) und Dr. Steffen Hagemann (RPTU Kaiserslautern). Moderiert wird die Debatte von Prof. Dr. Francesca Vidal (Freundeskreis Hambacher Fest 1832).

Diese Diskussionsveranstaltung des Freundeskreises ist Bestandteil von 1832.Das Fest der Demokratie, das vom 23. bis 26.5.2024 in Neustadt und auf dem Hambacher Schloss stattfindet. Motto dieses Demokratiefestes ist: Europa – gelebte Solidarität. Über das umfangreiche Programm informiert: https://www.neustadt.eu/1832-Das-Fest-der-Demokratie/

Prof. Dr. Eva Walther ist Professorin für Sozialpsychologie an der Universität Trier. Mit ihrer Arbeitsgruppe untersucht sie unter anderem Themen der politischen Psychologie und der Umweltpsychologie. Aktuell erforscht sie besonders den »Menschen im Krisenmodus«, rechte Radikalisierung, Verlust des politischen Vertrauens und den Glauben an Verschwörungserzählungen.

In einem aktuellen Forschungsprojekt sucht sie nach neuen Wegen, dem Einfluss von Rechtsaußen-Parteien auf junge Wähler*innen entgegenzuwirken und die Demokratie zu stärken. Die Projektmitarbeiter*innen arbeiten dabei in Thüringen mit der „Aktion Zivilcourage“ zusammen, einem Praxispartner der politischen Bildung.

Publikationen zum Thema (Auswahl)

  • Walther, E., & Isemann, S. D. (Hrsg.) (2019): Die AfD psychologisch betrachtet. Wiesbaden: Springer
  • Rothmund, T., & Walther, E.  (Hrsg.) (2024). Psychologie der Rechtsradikalisierung. Kohlhammer Verlag.

Dr. Steffen Hagemann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Policy Analyse und Politische Ökonomie im Fachbereich Sozialwissenschaften der RPTU Kaiserslautern. Seine Forschungsinteressen sind Autoritarismus und Demokratie, Soziale Bewegungsforschung, Politik und Religion, amerikanische Nahostpolitik und Israel. Er war Post-Doc im Cluster „Languages of Emotion“ der Freien Universität Berlin.

Publikationen zum Thema (Auswahl)

  • (2007): Autoritäre Bewegungen. Rechtsextremismus – Rechtspopulismus – Fundamentalismus. In: Cultura 21, Nummer 17
  • mit Micha Brumlik (Hg.) (2010): Autoritäres Erbe und Demokratisierung der politischen Kultur. Festschrift für Hajo Funke. Berlin: Schiler
  • mit anderen (Hg.) (2020): Donald Trump und die Politik in den USA. Baden-Baden: Nomos

Prof. Dr. Francesca Vidal ist wissenschaftliche Leiterin des Schwerpunkts Rhetorik der RPTU in Landau und Mitherausgeberin von „Rhetorik. Ein internationales Jahrbuch“ (de Gruyter). Ihre momentanen Forschungsprojekte sind die Rhetorik der Misogynie (Frauenhass) und die Sprache der Antisemiten. Sie ist Präsidentin der internationalen Ernst-Bloch-Gesellschaft und Mitglied im Freundeskreis Hambacher Fest 1832.

Publikationen zum Thema (Auswahl)

  • (2019): Zur Verbreitung von schädlichen Sprechakten. In: Marita Pabst-Weinschenk (Hg.): Kooperative Rhetorik in Theorie und Praxis. Sprache und Sprechen Band 51. Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren, S. 24-28
  • (2021): Rhetorik in Zeiten von Fake News und gefühlten Wahrheiten. In: R. E. Zimmermann, S. Järvenpää, R.-M. Dobler (Hg.): Signifikant 2020: Jahrbuch für Strukturwandel und Diskurs 3. Berlin: wvb, S. 129-148
  • (2024): „Enten in den Medien. Über die Fähigkeit, das Glaubwürdige zu erkennen“, in: Erlemann, Kurt / Zywietz, Bernd, (Hg.): Fakten. Propaganda. Fake News. Was können wir noch glauben?

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