Farbenfroher und musikalischer Protest gegen die Vereinnahmung des Hambacher Schlosses

Rückblick auf das Pfingstwochenende der Initiative „Neustadt bleibt bunt“

Der Hambach-Blog hat zu den Ereignissen um das Pfingstwochenende 2024 Gruppen und Initiativen, die sich aktiv eingebracht hatten, zu einem reflektierenden Rückblick eingeladen. Im Folgenden dokumentieren wir die Stellungnahme von Neustadt bleibt bunt.  Bereits veröffentlicht wurde das Statement vom Bündnis gegen Rechts Neustadt und von der Initiative Gemeinsam Mehr beWIRken. Weitere Wortmeldungen zum Pfingstwochenende und zum Demokratiefest 2024 sind willkommen.

Unter dem Dach des Regionalen Bündnis gegen Rechts Neustadt (RBgRN) hat sich im Spätsommer 2023 die überparteiliche Initiative „Neustadt bleibt bunt“ gegründet. Ziel war es, uns auf positive Art und Weise gegen die Vereinnahmung des Hambacher Schlosses durch demokratieverachtende, verschwörungstheoretische und mit Reichsbürgern laufende Gruppierungen einzusetzen. Dabei wollten wir vor allem auch zeigen, wofür wir stehen: für eine gelebte Demokratie, für eine bunte kulturelle Vielfalt und für eine respektvolle Kommunikation miteinander. Das wollten wir oben am Hambacher Schloss – dem Ort der ersten großen demokratischen Bewegung in Deutschland – kundtun. Dieses positive Zeichen gegen den Rechtsruck in unserer Gesellschaft haben wir am 18. Mai 2024 mit insgesamt rund 400 Demokrat:innen aus Hambach, Neustadt und dem Umland oben am Schloss gesetzt. Unter dem Motto „Nie wieder ist jetzt! Auf, auf zum Hambacher Schloss“ feierten wir bei gutem Wetter mit Musik unsere Demokratieparade.

Bei der Kundgebung auf dem Gelände des Hambacher Schlosses (Foto: privat)

Neben den Reden von Johan Dreyer (Engagierte Jugend Neustadt), Martina Horak-Werz (Bildungsreferentin der evangelischen Kirche vom Bildungsnetzwerk Casimirianum), Ulrich Riehm (Freundeskreis Hambacher Fest 1832), Prof. Dr. Mandy Schiefner-Rohs (Bildungsexpertin) und Kurt Beck (ehemaliger Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz) durften wir ein Unterstützungsschreiben der amtierenden rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer sowie einen Liedtext des Musikers Konstantin Wecker verlesen. Musikalisch und inhaltlich wurde unsere Veranstaltung durch Live-Auftritte der Sängerin und Liedermacherin Martina Gemmar und des Rappers Chaoze One bereichert. Das Kundgebungsgelände bekam einen positiven Festivalcharakter.

Im Vorfeld war es uns wichtig, die Hambacher:innen zu informieren und zu aktivieren, damit sie sich bei beim Protest und der Kundgebung beteiligen. Dafür haben wir im Hambacher Rathaus am 20.4.2024 mit Ulrich Riehm vom Freundeskreis Hambacher Fest 1832 einen Infoabend veranstaltet, zu dem rund 60 Besucher:innen kamen. An dem Abend konnten wir viele Kontaktdaten zur Vernetzung wie auch Bestellungen für Fahnen und Banner mit dem Motiv „Neustadt bleibt bunt“ sammeln.

Wir wollten den friedlichen Protest der Hambacher und Neustadter Bürger:innen gegen die vierzehntägigen Trommelaufmärsche der bundesweit rekrutierten Gruppierungen rund um „FreiEinig“ sichtbar machen. Das ist uns gelungen: Rund 100 Fahnen und bis zu 70 Banner mit dem Motiv „Neustadt bleibt bunt“ vom renommierten Neustadter Künstler Gerhard Hoffmann, hängen immer noch in Hambach und dem ganzen Stadtgebiet. Das ist eine humorvolle, friedliche und farbenfrohe Protestnote. Wir haben Neustadt damit in der Tat bunter gemacht.

Wer uns auch in Zukunft unterstützen möchte, kann sich an neustadtbleibtbunt@gmail.com wenden oder auf das Vereinskonto von „Neustadt gegen Fremdenhass e.V.“, Betreff: „Bunte Demokratie“, IBAN: DE89 5465 1240 1000 5524 53, BIC: MALADE51DKH – Sparkasse Rhein-Haardt spenden.

Wir müssen uns in den nächsten Jahren und explizit bis zur nächsten Bundestagswahl verstärkt gegen den Rechtspopulismus und -extremismus engagieren. Dabei wollen wir uns besonders für die Förderung politischer Bildung einsetzen und Fakenews wie auch Desinformation von verschiedenen Seiten proaktiv aufdecken und entlarven. Dies beginnt im Kleinen: in der Familie, im Freund:innen- und Bekanntenkreis wie auch in der Stammkneipe um die Ecke. Wir alle müssen den Dialog suchen mit Menschen, die noch nicht vollends in ihrer verschwörungstheoretischen Blase gefangen sind. Gleichzeitig müssen wir als Gesellschaft aber auch soziale Probleme angehen, die sonst zur weiteren Abwendung von der Politik der Mitte führen und die extremen Ränder erstarken lassen. Wir müssen uns alle deutlicher positionieren, um keinen Raum für antihumanistisches, antisemitisches, antimuslimisches und rassistisches Gedankengut zu lassen. Jeden Tag.

Denn: Nie wieder ist jetzt!

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