AfD-Sympatisant und CDU-Mitglied Max Otte zum Fall Walter Lübcke: Die Geister, die ich rief …

Noch sind die Ermittlungen im Mordfall Lübcke nicht abgeschlossen und ein Gerichtsurteil wird vermutlich noch lange auf sich warten lassen. Aber es gibt einen konkreten, mit Indizien gestützten Verdacht, der auf einen rechtsmotivierten Mord hinweist.

Max Otte, der gerade sein zweites sog. neues Hambacher Fest am 7. und 8.6. in Neustadt an der Weinstraße abgehalten hat, twittert vor diesem Hintergrund den folgenden von ihm zwischenzeitlich wieder gelöschten Tweet (deswegen hier als Zitat eines anderen Twitteres).

Max Ottes später gelöschter Tweet zum Mord an Walter Lübcke

Twitter-Deutsch ist ja nicht immer einfach zu lesen. Ein freier Übersetzungsversuch:

Im Mordfall Lübcke erfinden die (von Otte sogenannten) Mainstream-Medien [die gehen nach Otte und seinen Freunden ja von Welt bis taz, von Spiegel bis Zeit und von RTL bis ARD] eine neue NSU-Affäre und hetzen gegen die „rechte Szene“. Der Mörder war vermutlich ein minderbemittelter Einzeltäter. Was Rechtsextremismus ist, wer weiß das schon. Ich, Max Otte, weiß es nicht.

Warum glaubt Otte, dass die deutschen Medien hoffen (er gebraucht das Wort „endlich“), dass wieder Menschen von Rechtsextremisten ermordet werden? Will er damit unterstellen, womöglich stecken die Medien selbst hinter dem „minderbemittelten Einzeltäter“, um besser gegen die „rechte Szene“ hetzen zu können?

Was am „Nationalsozialistischen Untergrund (NSU)“ war „Affäre“? Dass die Täter und ihre Helfer lange Jahre unerkannt von Polizei und Geheimdienst insgesamt zehn Menschen heimtückisch umbrachten?

Was bezeichnet Otte als Hetze? Dass der vermutliche Täter als NPD- Mitglied oder NPD-Sympathisant, Bombenleger und Gewalttäter beschrieben wird, der als Krimineller im Gefängnis saß? Dass es Indizien gibt, die vermuten lassen, dass der in Untersuchungshaft sitzende Mann, dessen DNA-Spur sich am Körper des erschossenen Kasseler Regierungspräsidenten fand, Unterstützer hatte?

Woher hat Otte seine Kenntnis, der Mann sei „minderbemittelt“ und woraus speist sich seine Hoffnung, er sei „ein Einzeltäter“?

Warum weiß Max Otte nicht, was Rechtsextremismus ist, nach Morden an neun Menschen mit ausländischem Namen und einer Polizistin durch den NSU, nach dem Chemnitzer Mob im August 2018, bundesweiten Attentaten auf Flüchtlingsunterkünfte und dem „Flügel“ der AfD um den thüringischen Landesvorsitzenden Björn Höcke? Max Otte weiß nichts von dem, was wichtig ist zu wissen und von dem jeder wissen könnte, sofern er nicht in einem selbst ausgehobenen ideologischen Loch sitzt.

Max Ottes „Entschuldigung“ und einige Kommentare

Bettina Gaus schreibt dazu heute in einem Kommentar auf der S. 1 der taz.

„Wie weit das sympathisierende Umfeld reicht, zeigt ein Tweet des CDU-Mitglieds Max Otte, der sich der ‚Werteunion‘ zugehörig fühlt. ‚Lübcke – endlich hat der Mainstream eine neue NSU-Affäre und kann hetzen. Es sieht alles so aus, dass der Mörder ein minderbemittelter Einzeltäter war, aber die Medien hetzen jetzt schon gegen die ,rechte Szene‘, was immer das ist.‘ Sein Hauptproblem ist die Hetze der Medien? Otte hat seinen Tweet nach einigen Stunden gelöscht, als Fehler bezeichnet und sich von sich selbst distanziert. Das ändert nichts, gar nichts. Der Tweet drückt vor allem aus: Teile der Gesellschaft, die sich als deren Mitte verstehen, unterscheiden nur noch zwischen Verbündeten und Feinden. Nicht mehr zwischen Recht und Unrecht. In weniger gefestigten Staaten als Deutschland ist das die Vorstufe zum Bürgerkrieg.“

Das mag übertrieben klingen. Aber schauen wir, wen Max Otte zu seinem sogenannten neuen Hambacher Fest nach 2018 in diesem Jahr zum zweiten Mal eingeladen hat. Markus Krall, ein neoliberaler Ökonom wie Otte selbst. Krall spielt den Part, den Otte, der klampfende und singende Patriot, bisher nicht spielen wollte. Krall ruft offen dazu auf, dass das deutsche Bürgertum lernen müsse, die Revolution gegen die „sozialistische Republik“ – Krall mein Deutschland – zu machen, und zitiert Thomas Jefferson: „Der Baum der Freiheit muss von Zeit zu Zeit mit dem Blut von Patrioten und der Tyrannen begossen werden. Dies ist der Freiheit natürlicher Dünger.“

Max Otte vor dem Saalbau in Neustadt an der Weinstraße am 8.6.2019 bei seinem sog. neuen Hambacher Fest

Jetzt ist wieder Blut geflossen. Nicht für die Freiheit, sondern befeuert von den Feinden der Freiheit, die bis in die konservativen Kreise der Mitglieder und Anhänger von CDU und der Werteunion reichen, bei der AfD fest beheimatet sind und die sich, von Max Otte initiiert, auf dem Hambacher Schloss, einem der wichtigsten Symbole der deutschen Demokratiegeschichte, einnisten wollen.

UR/MH