Neustadter Frauenstadtplan „Frau. Macht. Geschichte“ erschienen

Von Daniela Kreh und Esther Grüne

Am 08.05.2026 feierten wir in der Volkshochschule Neustadt das Erscheinen des „Stadtplans über 28 engagierte Neustadter Frauen aus Geschichte und Gegenwart“. Die Idee zu diesem „Frauenstadtplan“ entstand am Rand eines Gesprächs zwischen Esther Grüne und Daniela Kreh. Wir begleiten beide seit vielen Jahren Gäste auf dem Hambacher Schloss und sind dort auch seit diesem Jahr Gästeführerinnen für die neue Führung „Frauenengagement in der Zeit des Hambacher Festes von 1832“.

Fünf Biografien der vorgestellten Frauen drehen sich alleine um das Hambacher Fest 1832:

  • Regina Magdalena Wirth geb. Werner (1792-1871): Wird 1833 wegen ihrer journalistischen Arbeit und politischen Aktivitäten steckbrieflich gesucht und flieht, allein mit ihren Kindern, ins französische Weißenburg.
  • Elisabeth Gulden geb. Hornig (1815-1861): Nimmt 1832 am Hambacher Fest teil und trägt beim Jahrestag 1833 auf dem Schloss die „Hambacher Schürze“.
  • Louise Margarete Abresch (1774-1855): Beschützt die Hambach-Fahne „Deutschlands Wiedergeburt“ vor dem Zugriff der Behörden. Die Fahne trug einer ihrer Söhne 1832 beim Festzug auf das Schloss.
  • Emma Geisel-Abresch (1844-1935): Die Enkelin von Louise Abresch, die im Geist des Hambacher Festes aufwuchs und den Neustadter Verein für Fraueninteressen gründete. Im weitesten Sinn gehört auch zu den Hambacher Frauen ihre Nichte Eugenie Abresch (1865-1955).
  • Louise Knoeckel geb. Schönemann (1778-1861): Leitet nach dem Tod ihres Mannes die Papiermühle, nimmt am Hambacher Fest 1832 teil, engagierte sich in der Polensolidarität und für eingekerkerte und verbannte Patrioten.

Über den Unterschied zwischen Geschichte und Erinnern

Bei der Arbeit an diesem Stadtplan geht es um die weibliche Geschichte Neustadts und um den Unterschied zwischen Geschichte und Erinnern. Wir sind nicht frei davon, die Quellen zur Geschichte mit unserem heutigen Blick einzuordnen. (Lesenswert dazu: H. Sussebach: Anna oder was von einem Leben übrig bleibt, München 2025)

Hier zeigt sich eine Verknüpfung mit dem Hambach-Blog. Wir sind gefordert damalige und heutige Machtverhältnisse und politische Interessen an der Vergangenheit zu thematisieren, Einschätzungen wissenschaftlich zu belegen und einen offenen Diskurs zu führen.

Bereits 2010 hatte Esther Grüne zusammen mit anderen Gästeführerinnen eine erste Auflage des Stadtplans herausgebracht. Auf dessen Grundlage wurde von Daniela Kreh 2018 ein erster Frauenstadtspaziergang durch Neustadt entwickelt und durchgeführt. Seit 2024 bietet auch Esther Grüne eine Frauenführung an. Es entstand bei uns der Wunsch, den Frauenstadtplan neu aufzulegen.

Also haben wir die 1. Auflage des „Frauenstadtplans“ in die 20er Jahre des 21. Jahrhunderts geholt. Wir haben mit neuen Quellen und einem neuen Blick auf vielfältige Sekundärliteratur ein halbes Jahr ehrenamtlich hart recherchiert und aussortiert, teils mit tatkräftiger fachlicher und anderer Unterstützung, und mit dem Wissen, dass Geschichte kein abgeschlossenes Buch ist und immer weiter geschrieben wird.

Frauenstadtplan Neustadt Ausschnitt

Eine Tür in die Geschichte von Frauen Neustadts öffnen

Wir haben einen Stadtplan gemacht mit 28 Frauenbiografien. Und wir haben festgestellt, dass etwas passiert, wenn man anfängt in das Leben dieser Frauen einzutauchen und in Archiven, in alten Briefen, in den Weiten des Internets und in teilweise vergriffenen Büchern und Sekundärliteratur nach ihnen recherchiert. Es ist, als würde in einem Haus, in dem man wohnt, eine Tür aufstoßen, die immer da war und die man nur noch nie geöffnet hat.

Wir haben uns nicht nur mit der Vergangenheit beschäftigt, sondern sie im Hinblick auf unsere Gegenwart und Zukunft ausgewertet.

Denn das wurde unser Ziel: nicht nur Daten zu sammeln, sondern diesen Frauen ein Gesicht, eine Seele, eine Stimme und einen Platz in Neustadts Geschichte zu geben. Damit eine Schülerin, die diesen Frauenstadtplan in die Hand nimmt sagen kann: „Die hat HIER gelebt, in meiner Straße, die hat sich engagiert, gekämpft und Spuren hinterlassen.“ Und vielleicht denkt sie dann: „Dann kann ich das auch“ oder „Darüber will ich mehr wissen“.

Unser „Frauenstadtplan“ soll neugierig machen auf weitere regionale und kommunale Frauenforschung. Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wir sind an Grenzen gestoßen, weil wir „Hobbyhistorikerinnen“ sind. Wir wurden auch mit unseren eigenen blinden Flecken konfrontiert: Z.B. fehlen zugewanderte Frauen in diesem Stadtplan oder auch (Natur-)wissenschaftlerinnen und jüngere Frauen.

Virginia Woolf: For most of history, anonymous was a woman

Und wir haben festgestellt: Je weiter man in der Geschichte zurück geht, desto dünner wird das Eis, desto weniger haben Frauen Texte hinterlassen, z.B. die Frauen im Bauernkrieg oder die Arbeiterinnen im Lambrechter Tal der Frühindustrialisierung. Wie die Schriftstellerin Virginia Woolf sagte: „For most of history, anonymous was a woman“.

Wir haben den Frauenstadtplan nicht, wie ursprünglich geplant, zum 08.03.2026, dem internationalen Frauentag, vorgestellt, sondern zum 08.05.2026. Wir gedenken an diesem Tag der Befreiung Deutschlands vom Faschismus und dem Ende des 2. Weltkriegs. Wie wichtig Erinnerungskultur ist, hat die berührende Rede Hape Kerkelings beim 81. Jahrestag der Befreiung Buchenwalds gezeigt.

Auch unser Stadtplan ist zu Teilen Erinnerungskultur: Fünf der vorgestellten Frauen haben die Zeit des NS-Regimes am eigenen Leib miterlebt, zwei davon nicht überlebt, weil sie ermordet wurden. Ihre Biografien laden dazu ein weiterzuforschen und sie nicht zu vergessen.

Frauenstadtplan Neustadt 2026

Die Erforschung von „Geschichte von unten“ macht uns stark. Wir begegnen Frauen, die gekämpft haben und IHR Leben leben wollten. Im Mittelalter genauso wie in der Zeit der französischen Revolution. In der französischen Zeit in der Pfalz und zur Zeit des Hambacher Festes von 1832. In der pfälzischen Revolution von 1848/49 und zur Zeit der 1. und 2. Frauenbewegung des 20. Jahrhunderts. Diese Frauen haben nachgedacht, geschrieben, gesprochen, sich zusammengetan, sich weitergebildet, im 20. Jahrhundert verstärkt auch ihre Kreativität ausgelebt und weiter für die Grundrechte für sich und andere gestritten – oft ohne Erlaubnis und gegen gewaltige Widerstände.

Der Forderung nach gleichberechtigter Teilhabe von Frauen im öffentlichen wie im privaten Raum, in unserer Stadt, der Demokratiestadt Neustadt, wollen wir mit der 2. Auflage des „Frauenstadtplans: Frau. Macht. Geschichte“ ein Gesicht geben und Diskussionen anregen.

Der „Stadtplan über 28 engagierte Neustadter Frauen aus Geschichte und Gegenwart“ ist derzeit erhältlich über die Buchhandlungen Quodlibet und Bücherstube und im Abraxas in Neustadt, genauso wie im Stadtmuseum Villa Böhm und dem Besucherzentrum des Hambacher Schlosses (Preis 1,50 €). Und selbstverständlich auch bei uns über frau-macht-geschichte@web.de (zzgl. Porto).

Er hat eine Auflage von 10.000 Stück, wovon 50 Ct. jedes verkauften Exemplars an das Frauenhaus Neustadt geht.

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