Freieinig und Reichsbürger – Hand in Hand

Am Pfingstsonntag marschieren, von einigem Trommelgetöse begleitet, die Neustadter Gruppe Freieinig zusammen mit bundesweit mobilisierten ähnlich aufgestellten Gruppen vom Neustadter Marktplatz auf das Hambacher Schloss. In der Rheinpfalz vom 21.5.2026 schreibt nun Anke Herbert, ehemals Leiterin der Neustadter Rheinpfalz-Redaktion, einen spannenden Artikel über die Verbindungen von Freieinig zur Reichsbürgerszene. Dies ist kein ganz neues Thema, aber Anke Herbert dokumentiert dieses mit aktuellen Beispielen.

Rheinpfalz deckt aktuelle Beziehungen zwischen Freieing und Reichsbürgern auf

Doch woran macht Herbert die Nähe von Freieinig zu den Reichsbürgern fest? Sie bezieht sich u.a. auf ein Youtube-Video vom 6.4.2026, in dem für einen „Freiheitslauf“ von Hambach nach Berlin geworben wird. Teilnehmer des Youtube-Gesprächs sind u.a. Karl-Friedrich Rothe, Sprecher von Freieinig, sowie Thomas Heintke, „Pressesprecher“ des „Verbands Deutscher Wahlkommissionen“ (VDWK). Moderiert wird das Gespräch von Thomas Brauner, der ebenfalls den VDWK unterstützt.

Thomas Brauner ist ein mehrfach verurteilter Straftäter. T-Online berichtete im Juni 2023, dass Brauner zu 16 Monaten auf Bewährung verurteilt wurde, u.a. wegen Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes, Verstößen gegen das Recht am eigenen Bild, Beleidigung von Polizisten und Hausfriedensbruch. Im Februar 2026 rief er seine Anhänger auf, sich der „Nationalversammlung“ des „Verbands Deutscher Wahlkommissionen“ (VDWK) anzuschließen und dafür die Staatsangehörigkeit eines „Bundestaates“ und eine „Ahnenfeststellung als Deutscher“ vorzuweisen. Anerkannt als „Staatsengehöriger“ werde, wer einen Ahnennachweis von vor 1914 (also aus dem Kaiserreich) vorweisen könne.

Ausschnitt aus Anke Herberts Artikel in der Rheinpfalz vom 21.5.2026

Was hat es mit dem Verband Deutscher Wahlkommissionen (VDWK) auf sich?

Der VDWK geht von der anhaltenden Gültigkeit der Verfassung des Deutschen Kaiserreichs vom 16.4.1871 aus. Man muss sich allein den Wortlaut der Präambel dieser Verfassung zumuten, um schnell zu erkennen, welch Geistes Kind diese Leute sind:

„Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen etc. verordnen hiermit im Namen des Deutschen Reichs, nach erfolgter Zustimmung des Bundesrathes und des Reichstages“ die folgende Verfassung.

Präambel der Verfassung des Deutschen Reichs von 1871

In der Lesart des VDWK bestehen die „Provinzen“ (gemeint sind die Bundesstaaten) des Deutschen Kaiserreichs von 1871 rechtlich auf Basis der Reichsverfassung weiter. Das sind 25 + 1 „Provinzen“, wobei „+1“ für das „Reichsland Elsaß-Lothringen“ steht, welches erst 1873 dem „Bundesgebiete des Deutschen Reichs hinzutrat“. Soll da wohl Elsass-Lothringen wieder heim ins „Reich“ geholt werden? Wird da mit einem erneuten Krieg gegen Frankreich geliebäugelt?

Über Wahlkommissionen in den einzelnen „Bundesstaaten“ sollen diese wieder hergestellt werden. In der Präambel der Satzung des VDWK heißt es dazu:

„Wir, die Wahlkommissionen in den Bundesstaaten, vertreten durch Indigene / Ureinwohner, glauben an unseren Schöpfer und stehen als Männer und Weiber alle gleichmäßig unter dem Schutz der Deutschen Reichsverfassung vom 16. April 1871. Das völkerrechtliche Subjekt Deutsches Reich besteht durch seine legitimen natürlichen Rechtspersonen und deren Nachkommen in der Rechtsfolge …. Im Verfassungsnotstand haben wir die Pflicht und das Recht, die Handlungsfähigkeit der Bundesstaaten und des Ewigen Bundes zum Schutze des Bundesgebietes sowie zur Pflege der Wohlfahrt des Deutschen Volkes wiederherzustellen.“

Und die Wahlkommission „Preußische Provinz Sachsen“ faselt von einer seit über 100 Jahren andauernden Fremdbestimmung über die Deutschen Völker.

Wer hat sich diesen Unsinn eigentlich ausgedacht? Und welche Wirkung soll er entfalten?

Geht man, wie der VDWK, von „Fremdbestimmung“ und „Verfassungsnotstand“ aus, ist der Weg nicht weit zur populistischen oder verschwörungsschwangeren Kritik an der politischen Kaste in Berlin. Diese handele nicht „in unserem Namen“, sondern im Auftrag dunkler, fremder Eliten. Und in der „Systemkritik“ an den demokratischen, ohne Zweifel unvollkommenen Zuständen in Deutschland, finden Reichsbürger mit Querdenkern, Esoterikern, AfD-Anhängern und Rechtsextremisten eine gemeinsame Plattform.

Weitere Verbindungen zwischen Freieinig und der Reichsbürgerszene?

Auf weitere Verbindungen von Freieinig mit der Reichsbürgerszene, so Anke Herbert im Rheinpfalz-Artikel, wiesen noch zwei andere Zusammentreffen aus jüngster Zeit hin.

Am 22.2.2026 hätte der VDWK in Neustadt einen Vortrag unter Ausschluss der Öffentlichkeit organisiert. Interessierte hätten sich bei der „Wahlkommission Pfalz-Haardt” anmelden können. Möglicherweise fand diese VDWK-Veranstaltung in der „Tribüne“ in Neustadt statt. Die Tribüne in der Maximilianstraße 5 ist der Treffpunkt und Veranstaltungsort von Freieinig. Karl-Friedrich Rothe ist Co-Vorstand der Demokratischen Tribüne e.V. (eingetragen unter VR 61583 beim Amtsgericht Ludwigshafen) und gleichzeitig Sprecher von Freieinig.

Rothe sei zudem auf einem Video zu sehen, so Anke Herbert weiter, das nahe lege, dass der VDWK am 8.3.2026 in den Räumen der Neustadter „Tribüne“ eine „Wahlversammlung“ abgehalten habe. Dort seinen „Delegierte“ für die „Nationalversammlung“ gewählt worden. „Das vermittelt den Eindruck, dass der führende Kopf von Freieinig und Demokratischer Tribüne an einer vom VDWK organisierten Wahl mitgewirkt hat, deren Ziel die Wiederherstellung des Deutschen Reichs von 1871 ist“ so Anke Herberts Resümee. Alle Rückfragen der Journalistin bei Freieinig wurden an andere Stellen verwiesen oder blieben unbeantwortet.

Fahnen deutscher Bundesstaaten des Kaiserreichs 2023 beim „Weißen“ Marsch auf das Hambacher Schloss (Foto: privat)

Reichsbürgerkontakte gibt es schon länger in Neustadt

Wolfgang Burkard mit Vertreterin des Verbands der Deutschen Wahlkommissionen (VDWK) 2025 in Neustadt (Foto: Dokunetzwerk Rhein-Main)

Freieinig ist aus der Konkursmasse der „Weißen“ Bewegung des Neustadter Unternehmers Wolfgang Kochanek entstanden. Schon bei dem von ihm organisierten Marsch auf das Hambacher Schloss 2023 waren Mitglieder des VDMK und Fahnen der 25+1 Bundesländer des Kaiserreichs deutlich sichtbar vertreten. VDMK-Mitglieder waren auch 2025 bei den Aktionen von Freieinig in Neustadt zu sehen.

Ein Dauergast bei mehr oder weniger allen Freieinig-Aktivitäten ist der Lorscher Vortrommler Wolfgang Burkard. Burkard behauptet etwa, dass das Grundgesetz ein Besatzungsstatut sei, so 17.9.2022 auf dem Marktplatz in Mannheim, und Deutschland würde von „Menschenrechtsverbrechern“ regiert. Am 13.8.2023 forderte er auf dem Hambacher Schlossgelände Bundeswehr und Polizei auf, die Befehle zu verweigern und ihren Eid auf die Verfassung zu brechen.

Karl-Friedrich Rothe in Karlsruhe 26.7.2025 beim Reichsbürgertreffen
Karl-Friedrich Rothe beim Reichsbürger-Umzug im Juli 2025 in Karlsruhe (Foto: privat)

Burkard trommelt zusammen mit Karl-Friedrich Rothe Seite an Seite beim Reichsbürgertreffen am 12.4.2025 im Heilbad Heiligenstadt. Freieinig erläuterte diesen Auftritt, dass „jemand von uns“ nach Heilbad Heiligenstadt gefahren sei, um sich ein „eigenes Bild“ zu machen. Dieses „Bild“ war wohl so überzeugend, dass ein Jahr später Karl-Friedrich Rothe beim „Staatsvolktreffen“ am 26.7.2025 in Karlsruhe, erneut mit Burkard die Trommeln schlagend, zu sehen ist.

Der Hambach-Blog hat über diese Verbindungen mehrfach berichtet. Auch Kristian Buchna, wissenschaftlicher Geschäftsführer der Stiftung Hambacher Schloss, ist tief in diese Materie eingedrungen und hat darüber u.a. den Neustadter Stadtrat ausführlich informiert. Dass die hiesige regionale Tageszeitung Rheinpfalz dieses Thema auch immer wieder aufgegriffen hat, ist lobenswert.

Freieinig gibt vor, sich für Demokratie, Freiheit, Menschenrechte und Frieden einzusetzen. Und die Gruppe beruft sich dabei auf das Hambacher Fest von 1832, das in einer völlig anderen politisch-gesellschaftlichen Konstellation stattgefunden hat. Angeblich wollen die Leute um Freieinig sogar das Grundgesetz verteidigen. Wenn man die aktive Unterstützung der Reichsbürgerszene ihres Sprechers Rothe und die vielen Verbindungen zwischen Freieinig und Reichsbürgern berücksichtigt, ist dies nur Tünche. Sie wollen keine andere, „bessere“ Politik, sie wollen ein anderes politisches System.

Für ein buntes, vielfältiges, demokratisches Neustadt findet am Pfingstsonntag, 24.5.2026, ab 10 Uhr auf dem Platz vor dem alten Rathaus in Hambach eine Versammlung statt, die auch die Abschlussveranstaltung des „Solidarischen Frühlings Neustadt ‘26“ ist. Es lohnt sich, nach Hambach zu kommen und Gesicht zu zeigen. Mehr zur Versammlung in Hambach hier.

Ulrich Riehm, Freundeskreis Hambacher Fest 1832

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