Erklärung zum dritten sogenannten „neuen Hambacher Fest“ des Max Otte am 10.7.2020 auf dem Hambacher Schloss

Zum dritten Mal veranstaltet Prof Dr. Max Otte am 10.7.2020 in den Räumen des Hambacher Schlosses sein sogenanntes „neues Hambacher Fest“, mit dem er sich auf das historische Hambacher Fest von 1832 beziehen will.

Hambacher Schloss (Foto: Flyfoto.de)

Damals versammelten sich an die 30.000 Frauen und Männer. Sie wandten sich gegen die repressive Fürstenherrschaft und forderten u.a. Presse- und Versammlungsfreiheit, Besserung ihrer sozialen Lage und die Überwindung der Kleinstaaterei in einem einigen Deutschland und einem konföderierten Europa. Die internationale Solidarität mit tausenden polnischen Flüchtlingen, die nach der Niederschlagung der polnischen Volkserhebung 1831 ins französische Exil gingen, war ein wesentlicher Bestandteil dieses Festes.

Max Otte, der Initiator und Organisator des sog. „neuen Hambacher Festes“, ist Mitglied der CDU und der Werteunion, bekennender AfD-Wähler und Vorsitzender des Kuratoriums der Desiderius Erasmus Stiftung, der Parteistiftung der AfD.

Wir sehen in Ottes Veranstaltungen in Neustadt einen Missbrauch des Hambacher Festes von 1832. Wer – um nur ein Beispiel zu nennen – die politische Zensur der 1830er Jahre mit den heutigen Verhältnissen mehr oder weniger in eins setzt (Max Otte: „Es herrschen zensurähnliche Zustände“), der negiert die bis heute erreichten demokratischen und sozialen Errungenschaften von 1832 über 1848/49, 1918/19, 1945 bis 1989. Mit welchem Ziel?

Otte versucht mit seinem „Fest“, ein rechtes Bündnis zu schmieden, das von den konservativen Strömungen in der CDU/CSU und Werteunion über die AfD bis zu offen rechtsextremistischen und gewaltbereiten Kräften reicht.

Für Letzteres steht etwa Markus Krall, den Otte schon zweimal auf seine Hambach-Veranstaltungen als prominenten Redner geladen hatte. Krall fordert eine „bürgerliche Revolution“, für die das „Blut von Patrioten und … Tyrannen“ fließen muss. Sozialpolitik ist für Krall Korruption der Wähler und das Wahlrecht will er nur noch denjenigen zubilligen, die auf staatliche Subventionen (etwa Kindergeld, Bafög, Sozialhilfe etc.) verzichten. Für Krall führt die nach seiner Meinung unausweichlich kommende „epochale Wirtschaftskrise“ zur „finalen Auseinandersetzung“. Das bedeutet für ihn den Endkampf zwischen der von ihm gewünschten sogenannten „bürgerlichen Revolution“ und den „neofeudalistischen Sozialisten“, die nach Krall das gesamte Parteienspektrum des Bundestages, ausgenommen die AfD, umfassen.

ErstunterzeichnerInnen (29.6.2020):

  • Eberhard Dittus (Vorsitzender der Gedenkstätte für NS-Opfer in Neustadt);
  • Claudia Dorka (Hambach, Coach u. Journalistin);
  • Michael Dorka ( Hambach, Musiker);
  • Joana Emetz (Bad Schönborn, Sängerin);
  • Usch Kiausch (Neustadt, Autorin, Mitglied des Neustadter Autorennetzes TeXtur);
  • Elke Kimmle (Stadträtin in Neustadt);
  • Prof. Dr. Wilhelm Kreutz (Mannheim, Historiker, Vorsitzender der Hambach Gesellschaft);
  • Michael Landgraf (Stadtrat in Neustadt, Schriftsteller, Dozent);
  • Ruth Ratter (Deidesheim, Mitglied im Bezirkstag Pfalz);
  • Ulrich Riehm (Mannheim, Freundeskreis Hambacher Fest von 1832);
  • Thorsten Sperl (Hambach, Winzer);
  • Rüdiger Stein (Ludwigshafen, DGB Regionsgeschäftsführer Vorder- und Südpfalz)

Weitere UnterstützerInnen der Erklärung (Stand: 2.7.2020)

  • Bärenz, Martin (Heidelberg, Musiker, Komponist);
  • Boesser-Ferrari, Claus (Laudenbach, Gitarrist, Komponist);
  • Brandl, Dr. Volker (Karlsruhe-Durlach, Physiker);
  • Corn, Johannes (Altrip, Musiker, Dirigent);
  • Fontagnier, Gerhard (Mannheim, Grafik-Designer, Gemeinderat Bündnis 90/Die Grünen);
  • Forsch, Fabian (Neustadt, Geschichtslehrer, Co-Vorstandssprecher KV Neustadt Bündnis 90/Die Grünen);
  • Fulst-Blei, Dr. Stefan (Mannheim, Abgeordneter des baden-württembergischen Landtags, Gemeinderat, Kreisvorsitzender der SPD);
  • Grabinger, Gabriele (Hattenhofen, Musikerin und Kulturmanagerin);
  • Gauckler, Margarete (Mannheim, 1. Vorsitzende von Kultur-Rhein-Neckar e.V.)
  • Habekost, Dr. Christian `Chako’ (Bad Dürkheim, Autor, Comedian);
  • Handrich, Thomas (Berlin, Politische Radreisen);
  • Herber, Dirk, (Neustadt, Abgeordneter des Landtags von Rheinland-Pfalz für die CDU);
  • Hofman, Florian (Neustadt, Stadtrat Bündnis 90/Die Grünen, Vorsitzender Wolfsburgverein Neustadt e.V., Vorsitzender die Waldschatten Wald- und Wanderverein e.V.);
  • Huber-Aydemir, Stefan (Neustadt, Erzieher, Stadtrat Die Linke);
  • Köhler, Bernd (Mannheim, Liedermacher, Grafiker);
  • Kunz, Fabian (Neustadt, Vorstandssprecher Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen);
  • Kunz, Prof. Dr.-Ing. Frieder (Deidesheim, Professor für Schall- Erschütterungsschutz, Technische Hochschule Bingen);
  • Levis-Hofherr, Diana (Neustadt, Stadträtin Bündnis 90/Die Grünen);
  • Lube, Eckart (Neustadt, Ortsbeirat Diedesfeld Bündnis 90/Die Grünen);
  • Müller, Christiane (Heidelberg, Studiendirektorin i.R.);
  • Raab, Hans (Kurpfalz, Auf den Spuren des Nationalen Wahns 1820-2020);
  • Riehle, Thorsten (Mannheim, Gemeinderat SPD, Geschäftsführer Capitol Mannheim);
  • Roos, Helmut (Mannheim, selbstständiger Fotograf für IG Metall und Verdi);
  • Schauwecker, Dr. Christian (Mannheim, Nervenarzt i.R.);
  • Scherer, Günther (Neustadt, Klimaaktion Neustadt, Schatzmeister im Vorstand des Kreisverbands Neustadt Bündnis90/Die Grünen);
  • Schmider, Kerstin (Neustadt, Beisitzerin im Vorstand des KV Neustadt Bündnis90/Die Grünen, Ortsbeirätin in Hambach);
  • Schmider, Marco (Neustadt, Dipl. Sozialwissenschaftler,  Schriftführer im Vorstand des KV Neustadt Bündnis90/Die Grünen);
  • Schreiber, Dr. Walter H. (Landau, Akad. Direktor i.R.);
  • Staeck, Prof. Klaus (Heidelberg, Grafiker);
  • Thiel, Wolfgang (Hergersweiler, Dipl.-Ing., SPD AG 60plus);
  • Weber-Schuerholz, Beate (Heidelberg, Oberbürgermeisterin i.R.)