Geschichtspolitik als Kulturkampf

Landau Peace Lecture mit Michael Sturm am 24.2.2021, 18 Uhr

Das sog. neue Hambacher Fest ist ein Beispiel für die skrupellose Aneignung von Ereignissen der deutschen Demokratiegeschichte durch rechtsextremistische Strömungen . Wie die Pfälzer Winzer, Bauern, Kaufleute, Rechtsanwälte, Studenten etc., darunter viele Frauen, sich 1832 gegen die absolutistische Fürstenherrschaft mit dem Hambacher Fest auflehnten, so gelte es heute gegen die „Merkel-Diktatur“ zu rebellieren oder gar den Aufstand zu wagen. So die Botschaft von Max Otte und seinen schwarz-braunen Freunden auf dem Hambacher Schloss seit 2018.

Wir freuen uns deshalb zu diesem aktuellen Thema die Landau Peace Lecture mit Michael Sturm anzukündigen, die von der Friedensakademie Landau am Mittwoch, 24.2.2021, 18 Uhr, via Zoom durchgeführt wird. Für die Teilnahme am Vortrag ist eine vorherige Anmeldung über friedensakademie-rlp@uni-landau.de nötig. Die Ankündigung des Vortrags lautet:

In den Argumentationsmustern extrem rechter Strömungen spielt  „Geschichte“ eine zentrale Rolle. Entweder, um eine angeblich bessere Vergangenheit zu verklären, oder, um eine gemeinsame „exklusive“ Identität zu beschwören. Viele der Mythen auf die sich extrem rechte Aneignung von „Geschichte“ beziehen sind nicht neu. Sie gründen auf einem  Bündel immer wieder beschworener Kampfbegriffe wie „Volk“, „Gemeinschaft“ oder „Nation“. Gleichzeitig ist zu beobachten, dass sich extrem rechte Akteur*innen auf Orte und historische Ereignisse berufen, die mit demokratisch orientierten politischen Bewegungen in Verbindung gebracht werden – etwa das Hambacher Fest 1832 oder die Friedliche Revolution in der DDR 1989. In deren Rhetorik avancieren Begriffe wie „Demokratie“ und „Bürgerrechte“ zu zentralen Termini – eine Entwicklung die sich offenkundig im Kontext der Proteste gegen die gesundheitspolitischen Maßnahmen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie verstärkt hat. Dieser Befund stellt eine Herausforderung für eine kritische, demokratisch orientierte politische Bildung dar. Wie könnte eine kritische Beschäftigung mit „Geschichte“ aussehen, die einerseits völkische Mythen dekonstruiert, andererseits tatsächlich demokratische, gesellschaftskritische Perspektiven aufzeigt?

Michael Sturm ist Historiker und pädagogisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter im Geschichtsort Villa ten Hompel der Stadt Münster und in der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Münster. Er veröffentlicht zur Polizei- und Protestgeschichte, aktuellem und historischem Rechtsextremismus, Geschichtspolitik und Erinnerungskulturen. Er hat u.a. 2019 den Beitrag Geschichtspolitik als Kulturkampf – der Gebrauch von „Geschichte“ im aktuellen Rechtspopulismus in dem von Michael Parak und Ruth Wunnicke herausgegebenen Sammelband Vereinnahmung von Demokratiegeschichte durch Rechtspopulismus veröffentlicht.