Markus Krall, Redner auf dem Hambacher Schloss, als Geschäftsführer von Degussa Goldhandel freigestellt

Wer sich in den letzten Jahren mit den Ereignissen um das Hambacher Schloss befasst hat, dem ist der Name Markus Krall bekannt. 2018 rief Krall auf dem Hambacher Schloss bei Max Ottes sog. neuen Hambacher Fest dazu auf, dass der Baum der Freiheit von Zeit zu Zeit mit dem Blut von Patrioten und der Tyrannen begossen werden müsse. Dies sei der Freiheit natürlicher Dünger. 2019 verpackt er den Aufruf zum Aufstand gegen das „grün-sozialistische System“ mit Verweis auf GG Artikel 20(4) („Gegen jeden, der es unternimmt, diese [grundgesetzliche] Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“).

Hambacher Schloss bei Neustadt an der Weinstraße (Foto: fly-foto.de)

In seinem Buch „Die Bürgerliche Revolution“ wirft er die Frage der (bürgerlichen) Konterrevolution auf – gegen „einige Tausend zu allem entschlossene, gewaltbereite, ideologisierte Fußtruppe der Antifa, verstärkt durch ein Heer gewaltbereiter Islamisten“ und verbindet dies mit einem politischen Programm, in dem nur noch wählen darf, wer keine Transferleistungen vom Staat bezieht.

Krall ist ohne Zweifel ein Verfassungs- und Demokratiefeind, ein Rechtsextremist. Und es ist eine Schande, dass er 2018 auf dem Hambacher Schloss und 2019 im Saalbau in Neustadt an der Weinstraße reden durfte.

Jetzt ist er, wie u.a. das Handelsblatt am 28.11.2022 berichtet, von seinem Posten als Sprecher der Geschäftsführung der Degussa Goldhandel abberufen worden.

Andreas Kemper, einer der hervorragenden Kenner des Degussa-Krall-Komplexes, vermutet, dass die Abberufung von Krall mit dem Tod des Degussa-Finanziers August von Finck junior zusammenhängen könne. Dieser war bekannt für die Förderung rechtskonservativer wie rechtsextremer politischer Bewegungen. Einer der Söhne von August von Finck junior, Francoise von Finck, teile die politischen Ansichten seines Vaters nicht und könnte der Initiator für den Rauswurf Kralls bei Degussa Goldhandel sein.

Kemper weist aber auch darauf hin, dass der Chefökonom von Degussa Goldhandel, Thorsten Polleit, der im gleichen ideologischen Fahrwasser wie Krall schwimmt, weiterhin dort sein libertäres, antidemokratisches Gift verspritzt. Der Hambach-Blog hat jüngst auf einen skandalösen Artikel von Thorsten Polleit im Mannheimer Morgen hingewiesen.

Markus Krall in Chur ausgeladen

In diesem Zusammenhang sei noch darauf verwiesen, dass Krall am 9.11.2022 zu einen Vortrag bei der Vollversammlung des Dekanats des Bistums Chur zum Thema „Fünf Säulen zum Erhalt einer freiheitlich-christlichen Gesellschaftsordnung“ eingeladen wurde, wie u.a. die NZZ am 12.11.2022 berichtete.

Nachdem der Rektor der Theologischen Hochschule Chur Alarm geschlagen hatte und Krall vorwarf, er wäre maßgeblich an der Finanzierung der rechtsradikalen AfD in Deutschland beteiligt gewesen, sympathisiere mit Verschwörungstheorien, müsse sich den Vorwurf des Antisemitismus gefallen lassen, wolle die Kirchensteuer ebenso wie die parlamentarische Demokratie abschaffen, wurde der Vortrag vom Generalvikar des Bistums Chur abgesagt.

Krall dementierte gegenüber der NZZ, dass er jemals die AfD finanziell unterstützt habe. Er beschränke seine Spendentätigkeit auf die katholische Kirche.

Das mag schon so sein, denn Krall ist kein Anhänger der AfD. Sie ist ihm vermutlich zu „staatstragend“, während er mittels einer bürgerlichen Revolution einen Staat anstrebt, der weder demokratisch noch sozial verfasst ist.

Aber über die Deguassa Goldhandel GmbH hat die AfD in ihrer Anfangszeit einen eigenen Goldhandel abgewickelt und darüber 2 Mio. Euro vom Staat erhalten, wie Frontal in einem Beitrag enthüllte [Frontal-Beitrag zu Deguassa Goldhandel, August Finck, Markus Krall und Thorsten Polleit ab etwa Minute 44].

Ulrich Riehm, Freundeskreis Hambacher Fest von 1832

Weitere aktuelle Beiträge auf dem Hambach-Blog